Während der Fußballweltmeisterschaft im Sommer 2018 in St. Petersburg beteiligte sich der Deutsch-Russische Austausch aktiv an der Schaffung und Aktivitäten des Netzwerks Cup for People, das bürgerschaftliche Aktivist/-innen aus mehr als 20 verschiedenen Initiativen und Organisationen der Stadt zusammenbringt, um mehr Nutzen aus der Weltmeisterschaft für die Stadtbewohner-/innen zu ziehen. Erreicht wurde dies durch kulturellen Austausch, die Begegnung von Aktivist-/innen und Journalist/-innen aus der ganzen Welt mit der Zivilgesellschaft und der gegenwärtigen Kultur sowie durch den öffentlichen Dialog über Mega-Events und Vielfalt als gesellschaftlichen Wert. Dem Netzwerk gehörten Aktivist-/innen der Bildungsplattform „Trava“, des LGBT-Netzwerks „Coming Out“, der Human Library, der Soldatenmütter, des Krisenzentrums für Frauen, der Offenen Schule für Menschenrechte in St. Petersburg, Umweltaktivisten usw. an. Die Organisationsform war ein informelles temporäres Netzwerk von Aktivistinnen und Aktivisten, horizontal organisiert mit der Aufteilung der Verantwortlichkeiten für verschiedene Veranstaltungen und Arbeitsbereiche.

Das wichtigste Projekt im Rahmen des Cup for People war die Schaffung zusammen mit dem FARE Network, dem internationalen Netzwerk zur Bekämpfung von Diskriminierung im Fußball, des so genannten Diveristy House, das vom 14. Juni bis 16. Juli 2018 täglich von 12.00 bis 23.00 im Berthhold Center in Grazhdanskaya Strasse13-15 arbeitete. Diveristy House war ein sicherer und diskriminierungsfreier Ort für Begegnungen zwischen Fans aus aller Welt und Anwohner-/innen, für die öffentliche Veranstaltungen, Ausstellungen und Partys zum Thema Vielfalt im Fußball und in der Gesellschaft. Das Diversity House diente als Plattform für Begegnungen und Präsentationen, Diskussionen, Konferenzen, Meisterklassen und Bildungsveranstaltungen für Menschenrechtsorganisationen und die Zivilgesellschaft mit interessierten Bürger-/innen, Fans und Journalist-/innen.

Der Deutsch-Russische Austausch St. Petersburg führte eine Reihe von Präsentationen und Veranstaltungen im Haus der Vielfalt durch und trug auch zur Schaffung des Civic Info-Centre (zivilgesellschaftlichen Infozentrums) bei, in dem Informationen über das öffentliche Leben in St. Petersburg gesammelt und aktiv unter Besucher-/innen und Journalist-/innen verbreitet wurden. Das Civic Info-Centre war eine Informationsstelle innerhalb des Diversity House, die den internationalen und russischen Gästen sowie Journalist-/innen Hilfestellung in Bezug auf die verfügbaren zivilgesellschaftlichen Organisationen und Aktivitäten in St. Petersburg bot. Sie verbreiteten auch Sicherheitsrichtlinien und Hilfe für Minderheiten, Dialoge über die Probleme der Diskriminierung, Vernetzung und kulturellen Austausch mit Einheimischen und anderen Gästen.

Im Allgemeinen wurden während der Arbeit von Diversity House unter anderem etwa 45 öffentliche Veranstaltungen organisiert:

– WM-Gespräche (Öffentliche Gespräche über den Einfluss der Weltmeisterschaft auf die Stadt, die Fußballkultur in der Stadt, den internationalen Aktivismus der Fans usw.),

– Öffentliche Vorträge und Seminare über Menschenrechte, organisiert von der Petersburger Offenen Schule für Menschenrechte (langjähriges Bildungsprogramm mit dem Ziel, Anhänger, Ideen und Werte der Menschenrechte, Gewaltlosigkeit, Freiheit und Nichtdiskriminierung zu finden),

– 21. Juni: Trava-Party (kurze Vorstellung lokaler Projekte mit den Schwerpunkten Sport und Integration, Menschenrechte und Nichtdiskriminierung),

– 23. Juni: HIV und Frauen (öffentlicher Vortrag),

– 24. Juni: Kulturelle Antwort auf das „Propagandagesetz“ (Diskussion),

– 25. Juni: Rupression Party (öffentlicher Vortrag über politische Repressionen gegen Antifaschisten und Anarchisten im heutigen Russland),

– 26. Juni: Support Don’t Punish (Öffentliches Gespräch mit Expert-/innen und Aktivist-/innen über die Entstigmatisierung von Drogenkonsumenten und über Menschenrechte in der Drogenpolitik),

– 28. Juni: Polizei in Russland (öffentliche Diskussion),

– 3. Juli: Demokratischer Diskussionsclub,

– 5. Juli: Zivilgesellschaft und NGOs in Russland heute (öffentliche Diskussion),

– 6. Juli: Stop Violence against Women (ein Tagesfest, das gemeinsam mit dem St. Petersburger Krisenzentrum für Frauen dem Kampf gegen Gewalt an Frauen gewidmet war),

– 7.-8. Juli: Human Library (Diskussion mit Opfern von Stereotypen und Fest der Vielfalt und Menschenrechte),

– 11. Juli: Präsentation des Berichts des St. Petersburger Menschenrechtsrats (Präsentation und Diskussion),

– sowie andere öffentliche Vorträge und Diskussionen über die diskriminierten Gruppen in der Gesellschaft, wie z.B. Frauen, LGBTQ, Migrant-/innen, ethnische Minderheiten, Menschen mit Behinderungen und verschiedenen Krankheiten, etc.

– Workshops zu Präsentation, Kommunikation, Debatten, Storytelling als Methoden, um über Diskriminierungserfahrungen zu erzählen, 

– Workshops zum Austausch sozialer und aktivistischer Erfahrungen,

– Umwelt- und Stadtveranstaltungen, wie z.B. Diskussion über einen moderierten Städtedialog mit dem Center for Applied Urban Studies, Anschauen des Dokumentarfilms und Diskussion über Öko-Aktivismus und Öko-Aktivist-/innen in Russland, ein Workshop zum Mülltrennung, ein Vortrag über den Zusammenhang von globalen, nationalen und lokalen Ebenen bei den Mega-Events, die Vorbereitung der Map for People für verantwortungsbewussten Konsum.

Als Ergebnis wurden im Laufe eines Monats mehr als 40 öffentliche Veranstaltungen im Diversity House organisiert, mehr als 1000 Personen nahmen an den öffentlichen Veranstaltungen teil, zusätzlich besuchten etwa 400 Personen Diversity House und das Civic Info-Centre außerhalb der Veranstaltungen.

Weitere Aktivitäten des Netzwerks Cup for People:

– Tours for People

Exkursionen und Spaziergänge in englischer Sprache durch Führer unter den thematischen Experten und Basisaktivisten zu verschiedenen Aspekten des kulturellen und zivilgesellschaftlichen Lebens in St. Petersburg: zu kreativen Räumen, Street Art, sozialen Problemen, wohltätigen Projekten, aktuellen Themen.

– Map for People

Map for People ist einen Stadtplan für verantwortungsbewussten Konsum, enthält Orte, an denen man essen, trinken, Souvenirs und Kleidung kaufen kann, und damit gleichzeitig lokale Projekte unterstützen, die ethischen und ökologischen Prinzipien folgen.

Als Teil der Vorbereitung des Stadtplans entwickelten die Aktivist-/innen Kriterien für ein verantwortungsbewusstes lokales Unternehmen und führten Live-Interviews mit Unternehmer-/innen durch, in denen sie nicht nur die aktuelle Einhaltung dieser Kriterien, sondern auch Bestrebungen und Schwierigkeiten erfuhren.

Als Ergebnis des ersten Schritts bei den Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft sind etwa 20 Wohltätigkeitsläden auf dem Stadtplan (http://mapforpeople.spb.ru/en) erschienen, und im Rahmen des Projekts wurde ein Entwurf für die weitere Arbeit zum Austausch erfolgreicher Praktiken, zur gemeinsamen Suche nach Lösungen, zum Verständnis und zur Popularisierung des „verantwortungsbewussten Konsums“ erstellt.

– Bars ohne Gewalt: Safe Drink-Kampagne

Das Frauenkrisenzentrum hat für Mitarbeiter-/innen von St. Petersburger Bars Schulungen organisiert, um (potentieller) Gewalt gegen Frauen entgegenzuwirken, indem gefährliche Situationen erkannt und weiblichen Gästen geholfen wird. Darüber hinaus wurden informative Aufkleber hergestellt und in den Frauentoiletten der Bars angebracht, um sie über Möglichkeiten zu informieren, den gefährlichen Situationen mit oder ohne Hilfe des Barpersonals zu entkommen.

Durch all diese Aktivitäten innerhalb von Diversity House und die Konsolidierung der russischen Aktivist-/innen der Zivilgesellschaft wurden einige neue Impulse und Raum für Zusammenarbeit geschaffen, die zu neuen Ideen für weitere gemeinsame Projekte führten. Als Ergebnis anderer Aktivitäten der zivilgesellschaftlichen Aktivist-/innen wurden die Menschenrechts- und zivilgesellschaftlichen Exkursionen ausgearbeitet und durchgeführt, einen Stadtplan des verantwortungsbewussten Konsums entwickelt, einige Bars mit dem Label „Safe Drink“ zertifiziert. 

Weitere Informationen sind auf der Webseite www.cupforpeople.spb.ru/en sowie in den sozialen Medien zu finden:

Facebook (https://www.facebook.com/groups/1510269019099085/ 

und https://www.facebook.com/groups/1510269019099085/).

Im Februar 2020 traf sich das vorherige Cup-for-People-Team mit Vertretern von FARE und vereinbarte die Organisation von Diversity House in St. Petersburg von Juni bis Juli 2020 während der Fußball-Europameisterschaft EURO 2020. Aber wegen der Pandemie wurde die EURO 2020 auf 2021 verschoben, und auch das Diversity-House-Projekt wurde auf 2021 verschoben. Wir hoffen sehr, dass Diversity House in Sommer 2021 während der EURO 2021 für alle Besucher-/innen in St. Petersburg geöffnet sein wird.