COVID-19: Herausforderungen für Zivilgesellschaft und Aktivismus in Deutschland

Unsere Freiwillige Sabina Triseckin, die eher nach Deutschland zurückgekehrt ist, schreibt über öffentliche Initiativen während der Pandemie in Deutschland:

Es spricht für unsere Gesellschaft, dass sich so viele Menschen auf der Welt solidarisch zeigen, um mit der Corona-Krise umzugehen. In kürzester Zeit haben sich tausende von Freiwilligen in Deutschland bei Einrichtungen, Organisationen und Initiativen gemeldet, um ihre Hilfe anzubieten. Allerdings muss das Engagement neu und sicher durchdacht werden, denn persönlicher Kontakt und Interaktion mit Menschen und Zielgruppen sind momentan nicht möglich.

Auf Twitter werden unter dem Hashtag #NachbarschaftsChallenge viele Initiativen von Einzelpersonen oder Gruppen in der Nachbarschaftshilfe sichtbar. Ein Überblick über die entstandenen Initiativen in Deutschland:

🔸 Online-Interaktion und Hilfe für Nachbarn:  www.hilf-jetzt.de, www.nebenan.de, www.quarantaenehelden.org, www.the-butterflyeffect.de

Fast so schnell, wie sich das Virus verbreitete, wurden Websites erstellt, um älteren Menschen oder Menschen der Risikogruppe zu helfen. Tausende Hilfsbereite haben sich dort registriert, um anstelle von älteren oder gefährdeten Menschen einkaufen zu gehen und andere Aufgaben zu erledigen, wie z.B. Medikamente zu kaufen, Schulkinder beim Lernen zu unterstützen und bei der Betreuung von Kindern oder Haustieren zu helfen.

🔸  Einfach mal reden – Ältere vereinsamte Menschen unterhalten: www.silbernetz.org

Das in Berlin ansässige Silbernetz schätzt, dass rund acht Millionen Menschen in Deutschland zwischen 60 und 99 Jahren zumindest zu bestimmten Zeiten ihres Lebens unter Einsamkeit oder Isolation leiden, eine Situation, die während der COVID-19-Periode besonders akut wurde. Dank der Aktivisten können sich nun in ganz Deutschland alleinstehende Menschen täglich von 8.00 bis 22.00 Uhr frei, vertraulich und anonym mit Silbernetz-Freunden unterhalten.

🔸    Menschen mit Sprachbarriere helfen: www.triaphon.org

Das Projekt „Triaphon“ wurde in Deutschland ins Leben gerufen, um Menschen mit Sprachbarrieren zu informieren und ein ohnehin schon überlastetes Gesundheitssystem von den Verständigungsproblemen zu entlasten, die Menschen mit unterschiedlichen Sprachen haben. Es gibt ein Notfalldienst für Menschen, die Hilfe brauchen und die Arabisch, Bulgarisch, Farsi/Dari, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Türkisch oder Vietnamesisch sprechen.   

🔸 Corona School: Bringt die Klassenzimmer online: www.corona-school.de

Nicht nur die Schulen, sondern auch die Universitäten sind momentan geschlossen. Um Eltern, SchülerInnen und Studenten während der Corona-Krise zu entlasten und für eine sichere wie zuverlässige Lernatmosphäre zu sorgen, vermittelt die Freiwilligeninitiative „Corona School“ den Kontakt zwischen SchülerInnen und Studenten für eine virtuelle Lernbetreuung.

🔸    Hilfe beim Übergang zum Online-Modus: www.so-geht-digital.de/magazin/ploetzlich-digital-die-sprechstunde/

Aufgrund des Coronavirus und der sozialen Distanzierung sind viele soziale Organisationen gezwungen, vollständig und dringend auf Online-Arbeit und dezentralisierte Interaktion umzustellen. Der Übergangsprozess wirft of viele Fragen auf und verursacht Probleme.  Die Initiative „Plötzlich digital: Die Sprechstunde“ veranstaltet jeden Freitag um 11.00 Uhr eine Online-Konsultation. Technische ExpertInnen zeigen Werkzeuge für Online- und Videokonferenzen und helfen bei der Lösung von Problemen im Zusammenhang mit der Virtualisierung von Arbeitsprozessen.

🔸    Gutscheine statt Klopapier kaufen: www.gutscheine-statt-klopapier.de, www.lokalsupport.com, www.paynoweatlater.de

Um lokale Restaurants, Freizeitbetriebe, Einzelhändler, Dienstleister, Hotels und andere Betriebe vor Ort in der Corona-Krise zu unterstützen und sie vor dem Aus zu retten, sind in Deutschland Initiativen entstanden, die es ihnen ermöglichen, Gutscheine online zu verkaufen, welche nach der Quarantäne genutzt werden können.

🔸     Die Stadt bringt die Einkäufe nach Hause: www.deinestadtbringts.de

Die Schließung der Türen vieler Organisationen und Unternehmen, eine wichtige Maßnahme zur Bekämpfung des Coronavirus, ist ein großes Problem für kleine und mittlere Unternehmen, da sie nun von der Schließung und Konkurs bedroht sind. Einzelhändler, Gastronomen, Hotelbesitzer und Dienstleistungsanbieter kämpfen buchstäblich um ihre Existenz. Viele Händler sind in der Lage, Waren aus ihrem Geschäft bis zum Haus des Kunden zu liefern. Damit potenzielle Kunden wissen, welche Unternehmen in der Umgebung Waren anbieten und sie nach Hause liefern können, wurde das Onlineportal „Deine Stadt bringt‘s“ eingerichtet, auf dem Sie eine Liste dieser Unternehmen sehen und bestellen können. Lokale Speditionen oder die Händler selbst bringen die Ware zur Tür des Kunden.

Die Menschen in Deutschland nehmen diese Dienste aktiv in Anspruch, entwickeln ihre Initiativen und beteiligen sich an diesen und freiwilligen Projekten in der Hoffnung, dass all dies es ihnen ermöglicht, die schwierige Zeit besser zu überstehen und mit den aufgetretenen Problemen fertig zu werden.