30 JAHRE OHNE MAUER: Die friedliche Revolution in der DDR, der Fall der Berliner Mauer und ihre Bedeutung für Russland, Deutschland und Europa

Datum: 9. November 2019 (Samstag)

Zeit: 17.00 – 19.00 Uhr

Ort: Museum für Non-Konformistische Kunst am Pushkinskaya 10 (Ligovsky pr. 53, St. Petersburg)

Podiumsdiskussion: Präsentationen, Fragen, Diskussion.

Simultane Übersetzung: Deutsch-Russisch

Der Eintritt ist frei, Registrierung unter:

https://nemetsko-russkiy-obmen.timepad.ru/event/1097769

Konzept:

Am 9. November 2019 feiert Europa die Öffnung der Berliner Mauer vor genau 30 Jahren, am Abend des 9. November 1989. Der „antifaschistische Schutzwall“, wie er von der Propaganda der DDR genannt wurde, symbolisierte mehr als nur eine Demarkationslinie zwischen den Besatzungszonen der deutschen Hauptstadt nach dem Zweiten Weltkrieg oder die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin. Die Berliner Mauer war ein Symbol für die Konfrontation zwischen den beiden globalen Systemen während des Kalten Krieges, für die Grenze zwischen dem kommunistischen Osten und dem kapitalistischen Westen.

Deshalb ist die Öffnung der Mauer am 9. November 1989 ein Ereignis, dessen Bedeutung für das Schicksal Europas und der Welt nicht überschätzt werden kann.

Gorbatschows Perestroika in der Sowjetunion, der schon die Solidarnosc-Bewegung in Polen vorausging, führte zu irreversiblen Veränderungen im gesamten „sozialistischen Lager“, zunächst zum Zusammenbruch des „Ostblocks“ als Folge zumeist friedlich verlaufener Revolutionen, dann zum Zusammenbruch der UdSSR selbst. Während jedoch der europäische Teil des ehemaligen sozialistischen Lagers durch neue unabhängige Demokratien ersetzt wurde, war die Geschichte vieler Nachfolgestaaten der Sowjetunion jenseits des Baltikums durch einen allmählichen Verfall der demokratischen Errungenschaften der Perestroika und die Errichtung krimineller autoritärer Regime für viele Jahre gekennzeichnet.

Dreißig Jahre nach der Öffnung der Berliner Mauer gibt es viele Indizien für die Entstehung neuer Mauern in Europa: eine neuerliche Konfrontation zwischen Ost und West, einen neuen Kalten Krieg, die Selbstisolation Russlands und beidseitige feindliche Rhetorik – mehrere Generationen von Menschen dies- und jenseits der Grenze haben das Gefühl, in die Vergangenheit zurückzukehren. Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten, die glaubten, dass ihr Kampf mit dem Sieg endete, tun jetzt, was sie vor 30 Jahren taten: Sie kämpfen für Öffentlichkeit und Wandel, für Bürgerrechte und -freiheiten.

Was ist noch von der Berliner Mauer übrig? Wie wichtig war ihre Öffnung für Deutschland, die ehemalige Sowjetunion und Europa? Sind unsere Völker in der Lage, den neuen Mauern so zu widerstehen, wie sie es vor 30 Jahren waren? Gibt es jetzt die gleiche Forderung nach Erneuerung und Reform wie in den Jahren vor der Perestroika? Brauchen wir dafür einen neuen Gorbatschow?

Politikwissenschaftler, Dissidenten und Journalisten aus Russland, Deutschland, Polen und Tschechien werden sich treffen, um diese Themen zu diskutieren.

Teilnehmer:

– Katarzyna Chimiak (Polen) Historikerin, Übersetzerin, Zivilgesellschaftsaktivistin. Sie ist eine der Gründer/innen und Vorstandsmitglieder des polnischen Vereins „Für ein freies Russland“. Chimiak arbeitet in einem Programm für Migrationsrichtlinien am Institut für öffentliche Angelegenheiten (Warschau). Ihre Interessen konzentrieren sich auf die moderne Geschichte Europas, insbesondere auf die von Polen, Deutschland, Russland und der Ukraine. In 2010 veröffentlichte sie ein Buch über eine Partei, die 1990 von ehemaligen polnischen Dissidenten gegründet wurde.

 Alexander Daniel (Russland), Historiker, Mitarbeiter des Forschungs- und Informationszentrums „Memorial“ (St. Petersburg), Forscher der Geschichte der Dissidentenbewegung in der UdSSR, Projektmitarbeiter des „Virtuellen GULAG-Museums“. 1973-1980 wirkte er auch an der Veröffentlichung des Samizdat Newsletters der sowjetischen Menschenrechtsverteidiger „Chronik der laufenden Ereignisse“.

1975-1981 – Redaktionsmitglied der historischen Sammelbands «Память», seit 1989 – Vorstandsmitglied des internationalen Menschenrechtsvereins „Memorial“.

– Dmitry Dubrovsky (Russland), Historiker, Soziologe, Publizist, Zivilgesellschaftsaktivist, Lehrer an der Hochschule für Wirtschaft, Mitarbeiter des Zentrums für unabhängige Sozialforschung (St. Petersburg). Wissenschaftliche Interessen: die Geschichte der Menschenrechte und der Zivilgesellschaft in der UdSSR und in Russland, akademische Rechte und Freiheiten.

– Marko Martin (Deutschland) Schriftsteller und Publizist. Im Mai 1989 verließ er als Kriegsdienstverweigerer die DDR und zog nach Westdeutschland. Er ist Autor zahlreicher Bücher – Erzählungen, Romane, literarische Essays – die auf seinen weltweiten Reiseerfahrungen basieren. Gleichzeitig hat er sich immer wieder mit dem Thema der Menschenrechte und antitotalitärer Dissidenz beschäftigt. Martin ist Mitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland, wo er sich in der Sektion „Writers in Prison“ engagiert.

Moderator der Diskussion:

Andrej Kalich, unabhängiger Journalist, Historiker.